Tipps & Ratgeber

Fahrradfahren kann auch im Winter Spaß machen: 10 Tipps für Radfahrer

Radfahren im Winter
Auch im Winter ist Radfahren sehr gesund und macht Spaß. Der Kreislauf kommt in Schwung, das Radeln baut Stress ab und spart den Erkältungstee. Allerdings sind wichtige Regeln aufgrund des Wetters und der Straßenverhältnisse zu beachten. Wir haben 10 Tipps zum Radfahren im Winter für Sie zusammengestellt.

  1. Auf einer frischen Schneedecke finden die ganz normalen Reifen eines Fahrrads ausreichend Halt. Diese sind allerdings nicht unbedingt zu empfehlen (siehe weiter unten, TIPP 3). Bei nasser Fahrbahn, Laub, Schneematsch, fester Schneedecke und erst recht bei überfrorener Nässe wird es für Radfahrer sehr gefährlich. Halten Sie Abstand und reduzieren Sie Ihr Tempo, vermeiden Sie in Kurven das Treten und auch scharfes Fahrradbremsen. Besser ist ein Ausrollen ohne Bremse. Wichtig ist vor allem, auf Glatteis die Lenkbewegungen weitestgehend zu vermeiden. Die Reifen sollten etwas weniger Druck als im Sommer haben, selbst den Sattel können Sie tiefer stellen. Damit erreichen Sie schneller einen sicheren Stand, wenn die Lage doch zu kippelig wird.
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  3. Ungeräumte Radwege sind ein großes Ärgernis für Radfahrer, die Kommunen sind eigentlich zum Räumen verpflichtet. Das gilt nach einem BGH-Urteil aber nur für „verkehrswichtige” innerörtliche Radwege. Die Gemeinde hat damit einen großen Ermessensspielraum und räumt die Radwege – wenn überhaupt – zuletzt. Sie müssen einen ungeräumten Weg aber nicht befahren. Das Verkehrsrecht gestattet in diesem Fall die Benutzung der beräumten Straße auch für Radfahrer.
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  5. Winterreifen gibt es auch für Fahrräder. Sie sind mit einem Winterprofil mit starkem Grip versehen und können Spikes mitbringen. Eine Winterreifenpflicht für Fahrräder gibt es nicht. Im Gegensatz zum Auto sind am Rad Spikes erlaubt, weil sie die Straße nicht beschädigen. Die Metallstifte verschaffen dem Rad bei etwas weniger Luftdruck guten Halt.
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  7. Die Pflege des Rades inklusivem Beleuchtungscheck macht sich im Winter besonders bezahlt. Es dämmert früh, die Radfahrer müssen auch gesehen werden. Das bedeutet neben der funktionierenden Fahrradbeleuchtung, dass die vorgeschriebenen Reflektoren vorhanden sein sollten. Auch an der Fahrradbekleidung, an Reifen und an Fahrradtaschen empfehlen sich Reflektorstreifen. Die Lichtanlage und die Bremsen sollten Sie schon im Herbst überprüfen. Wegen der Nässe und auch als Schutz gegen Streusalz hilft es, alle beweglichen Teile im Herbst nochmals neu zu schmieren. Das kann auch eine Fachwerkstatt erledigen.
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  9. Natürlich müssen Sie sich beim Radeln im Winter warm anziehen, doch Ihr Körper entwickelt bei der körperlichen Aktivität auch viel Eigenwärme. Daher ist eine optimale Oberbekleidung dünn und atmungsaktiv, gleichzeitig jedoch auch winddicht und wasserabweisend. Das Zwiebelprinzip hilft auch in diesem Fall: Mehrere Kleidungsschichten halten wärmer. Die Handschuhe müssen ausreichend Gefühl zum Bedienen des Rades lassen, Kapuzen dürfen die Sicht beim Umdrehen nicht einschränken. Es gibt übrigens beheizbare Einlegesohlen, die sich zum Radfahren im Winter empfehlen.
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  11. Die Rutschgefahr durch Eis, Schnee und nasses Laub beschäftigt nach Unfällen immer wieder die Gerichte. Radfahrer obsiegten vielfach und erstritten wegen ungeräumter Wege ein Schmerzensgeld, auch wurden Kommunen verpflichtet, selbst an Wochenenden räumen zu lassen. Dennoch müssen sich Radfahrer vielfach eine Mitschuld (oft hälftig) anrechnen lassen. Sie sind verpflichtet, genügend Aufmerksamkeit walten zu lassen. So entschied beispielsweise das OLG Hamm (Az.: 9 U 170/04).
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  13. Schnee und Eis sind die größten Gefahren für Radfahrer im Winter. Auf die Beräumung der Radwege können sie sich nicht verlassen (siehe oben), jedoch auf die Streupflicht der Kommune. Das hat der Bundesgerichtshof schon vor langer Zeit entschieden (BGH III ZR 200/63). Gestreut werden muss – im Gegensatz zum Räumen – an den gefährlichen Stellen, die Radfahrer benutzen und an denen sie auch lenken und bremsen werden – also an jeder Kurve.
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  15. Achten Sie bei außergewöhnlicher Glätte auf Spurrillen. Diese entstehen, weil gerade unbefestigte Radwege zerfahren werden. Da hilft auch intensivstes Streuen nicht, wenn Neuschnee und/oder Eisregen hinzukommen. Zwar ist die Gemeinde zum Streuen verpflichtet, doch Radfahrer müssen sich bei solchen Wetterlagen auf die besondere Gefahrenlage einstellen. Das entschied unter anderem das Oberlandesgericht Celle (Az.: 9 U 199/04).
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  17. Außerhalb von Ortschaften sind Radfahrer im Winter auf sich gestellt. Sie dürfen nicht erwarten, dass Rad- oder Gehwege beräumt oder gestreut wurden. Die Räumpflicht besteht gar nicht, die Streupflicht nur ausnahmsweise. Die Radfahrer dürfen dann die Fahrbahn benutzen (siehe oben, BGH-Urteil mit dem Aktenzeichen III ZR 60/94), doch das erscheint im Winter als sehr gefährlich. Bei hoher Glätte sollten Sie also nicht unbedingt die Ortschaft verlassen.
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  19. Bei welchem Wetter lohnt sich generell das Radfahren im Winter? Hierzu gibt es eine eindeutige Aussage: Wenn es nicht oder nur sehr wenig schneit/regnet und keine außergewöhnliche Glätte herrscht, können Sie die Radtour unter Berücksichtigung unserer Tipps unbesorgt unternehmen. Bei starkem Schneefall, erst recht bei deutlichem Regen und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ist strikt abzuraten. Das gilt auch bei der Gefahr außergewöhnlicher Glätte durch vorangegangene Wetterereignisse.

 

 

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