Tipps & Ratgeber

Rechts und links richtig mit dem Fahrrad abbiegen

Das Abbiegen auf Radwegen innerorts hat in der vergangenen Zeit leider viel zu oft negative Schlagzeilen verursacht. Immer wieder kommt es vor, dass Radfahrer*innen beim Rechtsabbiegen von Lkws erfasst und tödlich verletzt werden. Diese meist schweren Unfälle sind meistens nicht auf Leichtsinn oder Unaufmerksamkeit der Fahrradfahrer*innen zurückzuführen, sondern haben in vielen Fällen ihre Ursache aufgrund Nichtbeachtung der Handzeichen durch die Autofahrer.

Der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) hat diese schlimme Entwicklung nicht nur bei Radfahrern*innen ausgemacht, sondern auch die übrigen Verkehrsteilnehmer erleiden immer häufiger beim Überqueren der Kreuzung schwere Unfälle, weil sich Autofahrer rücksichtslos die Vorfahrt nehmen und als Rechtsabbieger nicht auf die Fußgänger*innen oder Radfahrer*innen achten.

Regeln, die dir mehr Sicherheit auf den Straßen geben:

Endlich haben die Verkehrsplaner begriffen, dass auch Radfahrer*innen nicht immer nur geradeaus fahren, sondern auch mal irgendwann abbiegen wollen. Manche Städte haben also auf den zunehmenden Boom bei Fahrrädern reagiert und lassen an Kreuzungen Abbiegemarkierungen auf die Fahrbahn gut sichtbar anbringen. Dies ist schon mal der erste Schritt zu mehr Sicherheit für Autos und Fahrräder, die voneinander im Verkehrsgeschehen abhängig sind. Aber ist dies genug, um Unfälle zu vermeiden?

Alle Verkehrsteilnehmer sind aufgerufen, rücksichtsvoller miteinander umzugehen, damit die Unfallquote auf der Straße zurückgeht und die Fahrradfahrer*inenn und Passanten innerstädtisch mehr Sicherheit bekommen.

Was sagt die Straßen-Verkehrs-Ordnung (StVO)? – Trockenes Thema aber du solltest Bescheid wissen!

Hand aufs Herz! Wann hast du dich zuletzt intensiv mit der Straßen-Verkehrs-Ordnung (StVO) beschäftigt? Keine Angst, wir erwarten keine Antwort, aber so dann und wann ist ein Blick in dieses Regelwerk doch sehr nützlich.

In der Straßen-Verkehrs-Ordnung (StVO) ist klar beschrieben, wie Radfahrer*innen regelkonform bei Änderung der Fahrtrichtung fahren müssen. Die Verordnung räumt den Linksabbiegern grundsätzlich zwei Möglichkeiten des Linksabbiegen ein: das direkte und das indirekte Linksabbiegen. Was hat es damit auf sich?

Das indirekte Abbiegen

Der indirekte Abbiegevorgang sieht vor, dass der Radfahrer*in zunächst geradeaus in den Kreuzungsbereich einfährt und dann erst mit dem Fahrrad nach links abbiegt. Wichtig ist hierbei zu wissen, dass zwei geradeaus führende Fahrbahnen überquert werden und der fließende Gegenverkehr aus beiden Richtungen zu beachten ist. Es handelt sich also nicht um ein direktes Abbiegen, sondern vielmehr um eine klassische Fahrbahnüberquerung. Wenn der Kreuzungsbereich mit Ampeln versehen ist, dann hat der Radfahrer*in diese natürlich vorrangig zu beachten. Dies gilt natürlich auch für Autos und Passanten.

Wenn das Fahrrad von dir über die Kreuzung geschoben wird, weil dir z. B. der laufende Gegenverkehr zu unübersichtlich oder zu stark ist, dann wirst du nach den Regeln der Straßen-Verkehrs-Ordnung (StVO) wie ein Passant eingestuft und solltest alle Vorsicht beim Überqueren des Kreuzungsbereiches walten lassen.

Das direkte Abbiegen

Anders sieht es beim sogenannten direkten Abbiegen aus. Hier fährst du rechtzeitig mit dem Rad auf die linke Hälfte der Fahrbahn und ordnest dich voreinander in den laufenden Verkehr ein. Sollte, wie es manchmal der Fall ist, eine separate linke Abbiegespur vorhanden sein, dann nutzt du diese und fädelst dich mit dem Rad auf den äußersten rechten Rand dieser Spur ein.

Handzeichen geben kann Leben retten!

Oft wird schnell mal nach links oder rechts abgebogen, ohne dies mit einem deutlichen Handzeichen zu signalisieren. Bitte sei diszipliniert beim Fahren mit dem Fahrrad und tue dies nicht. Handzeichen sind für die anderen Verkehrsteilnehmer unverzichtbar, denn wie sollen sie denn wissen, was du als Radfahrer*in vorhast? So mancher Unfall hätte sich vermeiden lassen, wenn mit einem Handzeichen klar der Wunsch der Richtungsänderung angezeigt worden wäre.

Als verantwortungsvoller Radfahrer*in wirst du natürlich immer den anderen Verkehrsteilnehmern, ob Fahrzeug oder Fußgänger, klar und unmissverständlich per Handzeichen den Wunsch der Richtungsänderung anzeigen.

Auf der sicheren Seite bist du als Radfahrer, wenn vor dem Linksabbiegen noch einmal kurz über die Schulter oder wenn vorhanden in den Rückspiegel geschaut wird, ob auch tatsächlich dein Handzeichen vom Autofahrer gesehen und beachtet wurde. Lieber einmal mehr gucken als einmal zu wenig. Denk immer daran, dass du auf der Fahrbahn das schwächere Glied in der Kette bist!

Stadtverkehr mit mehrspurigen Straßen – manchmal ein Horror für Radler*innen!

Sicheres Fahren bedeutet gutes Ankommen! Vorfahrt haben und trotzdem mit dem Fahrrad verunfallen ist sicher nicht das Gelbe vom Ei!

Wenn rechts und links auf mehreren Spuren der Verkehr nur so brummt, kann es durchaus sinnvoll sein, auf das direkte oder indirekte Abbiegen zu verzichten und das Fahrrad über die Kreuzung zu schieben. Hilfreich sind Ampeln, die dann in diesem Fall auch für den Fahrradfahrer*in gelten und ihn oder sie sicher auf die richtige Seite der Fahrbahn leiten. Absteigen vom Fahrrad und Schieben ist kein Zeichen der Schwäche – im Gegenteil es zeugt von Verantwortung!

Nochmal im Schnelldurchgang auf den Punkt gebracht:

  • Schau beim Richtungsändern immer, dass kein anderes Fahrzeug hinter oder neben dir fährt und dich womöglich gerade überholen will.
  • Gib rechtzeitig ein klares Handzeichen, in welche Richtung du abbiegen willst.
  • Achte im Straßenverkehr auf Hinweisschilder. Sie könnten angeben, wer an der Kreuzung voreinander Vorfahrt hat
  • Beachte die Ampel, sie regelt den Verkehr und hat damit Priorität.
  • Ist ein Radweg vorhanden, nutze ihn. Auf dem Radweg bist du besser aufgehoben als auf der Fahrbahn.
  • Achte auf Passanten! Warte mit der Richtungsänderung, bis sie an dir vorüber sind, Passanten haben vor den Linksabbiegern Vorrecht. Wird leider oft übersehen – aber du beachtest es.
  • Achte in puncto Geradeausfahren auch auf die Regel links vor rechts. Die abbiegenden Radler sind hier besonders gefährdet.
  • Rechts vor links gilt immer, wenn keine Ampel oder Verkehrszeichen vorhanden sind. Diese Bestimmung wird auch in 30er Zonen angewandt. Da Fahrräder ebenfalls zu den Fahrzeugen zählen, müssen Radfahrer diese Verkehrsregeln wie auch die Autos berücksichtigen.
  • Fahr nur soweit in die Kreuzung hinein, dass du den Gegenverkehr immer gut einsehen kannst.
  • Rechne mit Kindern und mach dir insgesamt ein Bild über die Situation in deinem Fahrbereich.
  • Fahre immer so, und dies ist ganz besonders in der konkreten Situation beim Ändern der Fahrrichtung wichtig, dass du dich und die anderen Verkehrsteilnehmer nicht gefährdest.
  • Akzeptiere und respektiere den Zebrastreifen und lass die Passanten in Ruhe über die Straße gehen. Ältere Menschen brauchen oft mehr Zeit.
  • Nach dem Handzeichen und wenn du sicher bist, dass die hinter dir fahrenden Autos das Zeichen bemerkt haben, lege sicherheitshalber beide Hände wieder zurück auf den Lenker.
  • Überhole keine langsamen Radler, die vor dir im sensiblen Kreuzungsbereich fahren. Auch sie haben das Recht auf Gehwegen und Radwegen zu fahren. Das Recht gilt nicht dem Stärkeren und ist keine Einbahnstraße. Nimm Rücksicht!
  • Wenn ein grüner Pfeil vorhanden ist, dann nutze ihn, um rechts abzubiegen. Achte aber auf den Querverkehr und auf Kraftfahrzeuge die ebenfalls abbiegen wollen.

Disclaimer:

Tretwerk hat dieses sehr wichtigen Themas: „Rechts und links richtig mit dem Fahrrad abbiegen“ angenommen und möchte dir ein paar wertvolle Tipps an die Hand geben, damit du sicher durch den immer dichter werdenden Verkehr kommst.

Der Artikel erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und bedeutet auch inhaltlich keine Rechtsberatung. Für versehentliche Fehler in der Info übernimmt Tretwerk keine Haftung. Deine Anregungen und Kommentare sind höchst willkommen. Mail oder Anruf genügt. Wir nehmen uns die nötige Zeit für dich! Tretwerk – da führt kein Fahrrad vorbei!

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