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Straße oder Gehweg – wo fahre ich verkehrsgerecht mit meinem Fahrrad?

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Radfahren boomt und die Fahrräder – ob E-Bikes oder normale Fahrräder – sind unterwegs überall zu verorten. Viele Radfahrer haben das Rad nicht nur als reinen Freizeitspaß, sondern nutzen ihren Drahtesel als probates Verkehrsmittel im Alltag. Ob zur Arbeit oder zum Einkaufen, mit dem Fahrrad kommt der Radfahrer oder die Radfahrerin schnell von A nach B; ganz ohne den lästigen Stau, was mit dem Auto nicht zu schaffen ist. Somit birgt das Fahrradfahren auch noch eine gesellschaftliche Komponente, denn es ist umweltfreundlich und tut der Gesundheit gut.

Tretwerk hat sich dieses Themas aufgrund der starken Nachfrage nach E-Bikes und anderen Rädern angenommen und die wichtigsten Punkte und Besonderheiten, die du wissen musst, herausgearbeitet. Es lohnt sich, diesen kleinen Artikel zu lesen und sich mit den wichtigen Rechtsfragen vertraut zu machen. Es ändert sich viel im Laufe der Zeit und so sollte jeder verantwortungsvolle Radfahrer sich im Straßenverkehr auskennen. Dies zu seinem Schutz und auch zum Wohl der übrigen Verkehrsteilnehmer.

Gerade für Eltern mit Kindern sollte das Lesen dieses kleinen Aufsatzes von Nutzen sein, das seit Ende 2016 ständige Veränderungen der Straßenverkehrsordnung das Fahrradfahren nicht gerade einfacher gemacht haben. Selbst ein Boulevard Blatt wie Bild schrieb vor Kurzem über dieses Thema.

Die rechtlichen Aspekte

Mit der starken Zunahme des Fahrrades rücken natürlich auch die rechtlichen Vorschriften der Straßenverkehrs-Ordnung immer mehr in das Bewusstsein der Radfahrer. Wie oft sehen wir Radfahrer auf Gehwegen radeln – allein oder sie begleiten Rad fahrende Kinder.

Hier stellt sich die Frage: Wer darf auf dem Weg radeln und wer darf es nicht?

Grundsätzlich haben Radfahrer auf dem Bürgersteig nichts verloren, es sei dann, dass ein Verkehrsschild wie z. B. “Radverkehr frei” das Fahren auf dem Weg explizit erlaubt. Dies kann nach der StVO (Straßenverkehrs-Ordnung) sowohl bei Gehwegen als auch in Fußgängerzonen durchaus der Fall sein. Zu beachten ist aber: Es darf nur Schrittgeschwindigkeit zum Schutz der Fußgänger und anderen Verkehrsteilnehmern gefahren werden.

Eine Nichtbeachtung der StVO steht im klaren Widerspruch zum richtigen Verhalten im Straßenverkehr und wird mit einem Bußgeld geahndet. Der Fahrrad-Club bittet eindringlich zu einem verkehrsgerechten Verhalten, da sonst bei einem vom Fahrradfahrer verschuldeten Unfall auch noch hohe Schadenersatzansprüche gegen in gestellt werden können. Die Juristen sprechen auch bei Fahrradfahrern ähnlich wie bei Autofahrern von einer Verschuldenshaftung.

Bußgeldkatalog – regelwidrige Straßenbenutzung mit dem Fahrrad

 

Verstoß nach StVO Bußgeld in Euro
 

Ausgeschilderten Radweg nicht benutzt

20.-
… mit Behinderung 25.-
… mit Gefährdung 30.-
… mit Unfallfolge 35.-
Den Radweg in falscher Fahrtrichtung gefahren 15.-
*geplante Änderung:
Den Radweg in falscher Fahrtrichtung gefahren
55.-
… mit Behinderung 20.-
*geplante Änderung:
… mit Behinderung
70.-
… mit Gefährdung 25.-
*geplante Änderung:
… mit Gefährdung
80.-
… mit Unfallfolge 30.-
*geplante Änderung:
… mit Unfallfolge
100.-
Unerlaubt auf dem Gehweg oder in der Fußgängerzone gefahren 15.-
*geplante Änderung:
Unerlaubt auf dem Gehweg oder in der Fußgängerzone gefahren
55.-
… mit Behinderung 20.-
*geplante Änderung:
… mit Behinderung
70.-
… mit Gefährdung 25.-
*geplante Änderung:
… mit Gefährdung
80.-
… mit Unfallfolge 30.-
*geplante Änderung:
… mit Unfallfolge
100.-
*Än­der­ungen gel­ten ab dem In­kraft­treten der StVO-No­velle.

* im Übrigen gelten seit Ende 2016, Absatz 5 StVO in Verbindung mit der StVO


Wie sieht es nun bei fahrenden Kindern aus?

Wenn das Kind das achte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, dann muss es mit seinem Fahrrad auf dem Gehweg fahren. Selbstverständlich sind die Eltern oder die Begleitperson angehalten, darauf zu achten, dass das Kind mit Fahrradhelm und sonstiger Sicherheitskleidung ausgerüstet ist.

Dürfen Eltern damit rechnen, dass die übrigen Verkehrsteilnehmer die Straßenverkehrsordnung mit der neuesten StVO-Novelle kennen? Die Antwort ist ein klares Nein! Richtiges Verhalten auf einem

beschilderten Radweg muss den Kindern rechtzeitig antrainiert werden, nur dann sind fahrende Kinder mit einer geeigneten Aufsichtsperson auf dem Radweg oder Gehweg sicher unterwegs.

Keine Regel ohne Ausnahme beim Radverkehr der Jugendlichen

Bei Jugendlichen zwischen acht und zehn Jahren ist es ihnen vom Gesetzgeber freigestellt, ob sie auf dem Gehweg oder auf der Fahrbahn fahren wollen. Alternativ – wenn vorhanden – können Sie auch ohne Aufsichtsperson einen separaten Fahrradweg neben der Fahrbahn benutzen. Diese neben der Fahrbahn laufendenden Wege sind in der Regel durch ein blaues Radwegschild gekennzeichnet.

Aus diesem Katalog lässt sich unschwer erkennen, dass der Gesetzgeber den Bürgersteig, Fußweg oder Gehweg nicht für den allgemeinen Straßenverkehr, hier speziell für den Fahrradfahrer freigibt und die auf diesen Wegen befindlichen Fußgängern und Kindern einem besonderen Schutz zubilligt. Wer meint, mit seinem Fahrzeug diese gesetzlich verankerte Schutzmaßnahme missachten zu können, kann sehr schnell bei einem Unfall in ein nicht kalkulierbares Haftungsrisiko laufen.

Ein Gehweg ist nun mal keine Fahrbahn, auf der alles erlaubt ist – leider wird dies immer noch im Radverkehr falsch verstanden

Leider sind die Radwege oft schmal. Radfahrer, die mit einem Kind in einem Fahrradanhänger fahren, haben da oft ein Problem. Dürfen sie deshalb auf den Gehsteig ausweichen?

Der Gesetzgeber gibt hier eine klare Vorgabe: Radfahrer müssen den Fahrradweg benutzen, wenn dieser entsprechend ausgeschildert ist. In vielen Städten sind die Radwege mit einem roten Belag gekennzeichnet, der sich damit visuell von der Straße abhebt.

Wenn auch noch Fußgänger auf diesen Wegen gehen, dann wird das Fahrradfahren zu einer echten Herausforderung. Das persönliche Sicherheitsempfinden sinkt – und gerade Eltern mit einem Radanhänger für Kinder, kommen dann leicht in die Bredouille.

Im Umkehrschluss gilt: Ist kein Radweg vorhanden, müssen Fahrradfahrer mit einem Anhänger die Straße zwingend nutzen. Gehwege, die nicht ausdrücklich für Radfahrer freigegeben wurden, dürfen grundsätzlich nicht benutzt werden.

Dies gilt zumindest dann, wenn Eltern mit einem Radanhänger unterwegs sind, in dem ein Kind sitzt, aber kein weiteres Kind nebenbei selbst Rad fährt.

Diese Restriktionen mussten in das Gesetz wegen der bestehenden Ausnahme in Paragraf 2, Absatz 5 der Straßenverkehrsordnung (StVO) aufgenommen werden. Demnach müssen Fahrrad fahrende Kinder bis zum achten Geburtstag den Gehweg benutzen; nur dort, wo ein Fahrradweg von der Straße baulich getrennt ist, dürfen auch Kinder unter acht Jahren auf den Radweg anstelle des Bürgersteigs.

Einem Kind bis zum achten Lebensjahr ist es erlaubt, mit dem Fahrrad auf dem Gehweg zu fahren und hier darf dann darf ausnahmsweise die begleitende Aufsichtsperson auch dort fahren, muss aber Vorsicht und Rücksicht gegenüber Fußgängern walten lassen.

Selbst der ADAC – der Club für Autos – vermeldete neulich in seiner Vereinszeitung:

“Unser Eltern Tipp: Begleiten Sie Ihr Kind mit dem Rad auf dem Gehweg. Seit Ende 2016 ist das erlaubt. Beachten müssen Sie aber: Wird vor dem Überqueren einer Fahrbahn ein Gehweg benutzt, müssen beim Überqueren der Fahrbahn beide absteigen und schieben.”

Disclaimer

Mit diesem Artikel will dir Tretwerk einen kleinen Ratgeber zum Thema ” Straße oder Gehweg: Wo fahre ich mit meinem Fahrrad?“ an die Hand geben.

Wir haben den Artikel nach sorgfältiger Recherche erstellt und versucht, einen möglichst verständlichen Einblick über dieses nicht gerade spannende Thema zu geben.

Der Artikel erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und bedeutet auch inhaltlich keine Rechtsberatung. Für versehentliche Fehler in der Information übernimmt Tretwerk keine Haftung. Deine Anregungen und Kommentare sind sehr willkommen. Mail oder Anruf genügt. Wir nehmen uns die nötige Zeit für dich! Tretwerk und Fahrrad – da passt nichts dazwischen!

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